Panja Jürgens: Fotografin, Familie und ihr Leben mit Udo Jürgens

Panja Jürgens ist vor allem als erste Ehefrau von Udo Jürgens bekannt, doch diese Einordnung greift zu kurz. Unter dem Namen Panja Jurgens/Jürgens arbeitete sie selbst als Fotografin, veröffentlichte Fotobücher über Crossdressing und Frieden und beschäftigte sich über Jahre mit Porträt- und Dokumentarfotografie. Der Bayerische Rundfunk bezeichnete sie 2024 als Erika Meier, genannt Panja, erste Ehefrau von Udo Jürgens und Mutter der gemeinsamen Kinder John und Jenny.

Auch ihr Geburtsjahr lässt sich genauer eingrenzen als in vielen kurzen Online-Biografien: Die französische Verwertungsgesellschaft für bildende Künstler ADAGP führt Panja Jurgens mit dem Jahrgang 1939. Dasselbe Geburtsjahr steht im Bibliothekskatalog der University of Wisconsin–Madison. Ein belastbares öffentliches Geburtsdatum mit Tag und Monat geht aus diesen Quellen allerdings nicht hervor.

Erika Meier, Panja Meier oder Panja Jürgens?

Die unterschiedlichen Namen bezeichnen dieselbe Person. In Zusammenhang mit ihrer Ehe und ihren fotografischen Arbeiten ist häufig Panja Jürgens beziehungsweise in internationaler Schreibweise Panja Jurgens zu lesen. Neuere Berichte und der BR verwenden dagegen Erika Meier, genannt Panja. Nach Angaben von GALA legte sie den Familiennamen Jürgens nach der Scheidung wieder ab.

Vor ihrer fotografischen Tätigkeit war Erika Meier auch Fotomodell. Ein wissenschaftliches Editionsprojekt der Universität Graz führt sie ausdrücklich als ehemaliges Fotomodell und als „Panja“.

Für ihre eigenen Bücher und künstlerischen Arbeiten blieb dagegen die Namensform Panja Jürgens/Jurgens gebräuchlich. Das erklärt, warum Recherchen ausschließlich nach „Erika Meier“ einen beträchtlichen Teil ihres fotografischen Werks übersehen können.

Die Ehe mit Udo Jürgens

Die offizielle Biografie von Udo Jürgens dokumentiert die Hochzeit ungewöhnlich konkret: Am 11. Oktober 1963 heirateten Udo und Panja auf dem Standesamt in der Mandlstraße in München. Im Februar 1964 kam Sohn John zur Welt, 1967 folgte Tochter Jenny. Die Scheidung erfolgte im Sommer 1989 in Zürich.

Damit lässt sich auch eine häufige Ungenauigkeit korrigieren: Manche Darstellungen nennen 1964 als Beginn der Ehe. Die Chronologie auf der offiziellen Udo-Jürgens-Seite ordnet die standesamtliche Hochzeit eindeutig dem Jahr 1963 zu.

Wann lernten sich Panja und Udo Jürgens kennen?

Bei diesem Detail widersprechen sich selbst vergleichsweise starke Quellen. Die offizielle Udo-Jürgens-Biografie schreibt, das Paar habe sich im Frühjahr 1959 in der Münchner Clubszene kennengelernt und sich bereits am folgenden Tag wieder getroffen.

In Berichten über die ARD-Dokumentation „UDO!“ von 2024 wird Panjas eigene Erinnerung dagegen mit Mai 1955 wiedergegeben. GALA und die „Krone“ berichten übereinstimmend, sie habe in der Dokumentation von einem ersten Treffen in einem Münchner Rock-’n‘-Roll-Club erzählt.

Für eine saubere Biografie sollte dieser Unterschied nicht einfach geglättet werden: 1955 und 1959 sind beide öffentlich dokumentiert. Die neuere Version wird als persönliche Erinnerung Panjas wiedergegeben, während die offizielle Chronologie von Udo Jürgens 1959 nennt.

Panja Jürgens als Fotografin

Panja Jürgens entwickelte eine eigenständige fotografische Arbeit, die thematisch weit von der Unterhaltungskarriere ihres damaligen Mannes entfernt war. Ein Autorenporträt des Perlentaucher beschreibt, dass sie ihre intensive Beschäftigung mit Fotografie während einer Afrikareise im Alter von 40 Jahren entdeckte. Genannt werden dort unter anderem die Serien „Return to Paradise“, „Street People“ und „Drag Queens“.

Im Zentrum standen häufig Menschen und Identitäten: Porträts, soziale Milieus, Geschlechterrollen und die Frage, wie Menschen sich selbst darstellen.

„They Call Themselves Queens“

1996 erschien bei Edition Stemmle in Zürich ihr großformatiger Fotoband „They Call Themselves Queens: The Transformation Series“. Der Bibliothekskatalog der University of Wisconsin–Madison weist Panja Jurgens als Urheberin aus; herausgegeben wurde der Band von Charles-Henri Favrod. Texte stammen von Favrod, Jürgens und dem britischen Schriftsteller und Performer Quentin Crisp. Der Band umfasst 207 Seiten und wird bibliografisch den Bereichen Porträt- und Dokumentarfotografie sowie Porträts von Crossdressern zugeordnet.

Die Zusammenarbeit mit Quentin Crisp ging über einen Textbeitrag hinaus. Das Quentin Crisp Archive beschreibt Panja Jurgens als internationale Fotografin und nennt ihre Porträts von Crisp als „Angel of Peace“. Die Bilder wurden dem Archiv zufolge auch für die Einladung zu seiner Gedenkveranstaltung verwendet.

Das ist ein wesentlicher Teil ihrer Biografie, der in Darstellungen, die Panja Jürgens ausschließlich als „Ex-Frau von Udo Jürgens“ behandeln, häufig verloren geht.

„Wings of Peace“: Porträts über die Vorstellung von Frieden

Ein weiteres größeres Projekt erschien 2002 unter dem Titel „Wings of Peace“. Die deutsche Ausgabe kam beim Knesebeck Verlag heraus und umfasst 160 Seiten; ein Vorwort steuerte Udo Lindenberg bei.

Für die Serie fotografierte Jürgens in New York Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Lebenswelten und fragte sie nach ihrer persönlichen Vorstellung von Frieden. Die Porträtierten wurden mit Engelsflügeln inszeniert. Die beim Perlentaucher dokumentierte NZZ-Rezension vom 10. September 2002 beschreibt das Projekt als Ergebnis einer dreijährigen Arbeit und nennt sowohl gesellschaftlich marginalisierte Menschen als auch Prominente unter den Porträtierten.

Die Serie knüpft damit an Motive an, die bereits in ihren früheren Arbeiten erkennbar waren: Individualität, gesellschaftliche Zuschreibungen und Menschen, die sich nicht ohne Weiteres in einfache Kategorien einordnen lassen. Diese thematische Verbindung ergibt sich aus den dokumentierten Schwerpunkten ihrer verschiedenen Fotoserien.

Auch als Autorin zu Geschlechterrollen

Ihre Beschäftigung mit dem Thema Geschlechtsidentität blieb nicht auf Fotografie beschränkt. In dem 2006 bei Waxmann erschienenen Sammelband „Weiblich – männlich – anders? Geschlechterbeziehungen im Kulturvergleich“ ist ein Beitrag von Panja Jürgens mit dem Titel „‚Die Seele ist alles‘, sagte Aristoteles – Gedanken zum Crossdressing. Ein Plädoyer für Toleranz“ verzeichnet. Die Deutsche Nationalbibliothek dokumentiert den Beitrag im Inhaltsverzeichnis des Bandes.

Damit wird erkennbar, dass „They Call Themselves Queens“ nicht nur ein isoliertes Fotoprojekt war. Das Thema Crossdressing und gesellschaftlicher Umgang mit Geschlechterrollen beschäftigte Jürgens auch in schriftlicher Form.

Panja Meier in der ARD-Dokumentation „UDO!“ von 2024

Eine der jüngeren verlässlichen öffentlichen Spuren von Panja Meier ist die 2024 produzierte Dokumentation „UDO!“ von David Kunac und Sebastian Dehnhardt. Der Bayerische Rundfunk nennt sie ausdrücklich unter den Gesprächspartnern und beschreibt sie als erste Ehefrau Udo Jürgens‘ sowie Mutter von John und Jenny. Die Produktion arbeitete außerdem mit bislang unveröffentlichten Fotos, Briefen, Tonaufnahmen und Privatfilmen aus dem Umfeld der Familie.

Panja berichtete darin unter anderem aus der Zeit, in der Udo Jürgens‘ Karriere immer größer wurde, und schilderte seine starken Belastungen und Ängste vor Tourneen. Zeitgenössische Berichte über die Dokumentation geben wieder, dass sie in solchen Situationen einmal ärztliche Hilfe gerufen habe.

Für ihre eigene Biografie ist an diesem Auftritt vor allem eines relevant: Panja Meier beteiligte sich 2024 selbst an einer neuen, umfangreichen Dokumentation über die Familiengeschichte. Aussagen darüber hinaus, wie oder wo sie im Jahr 2026 lebt oder ob sie weiterhin fotografisch arbeitet, sollten ohne entsprechend aktuelle Quelle nicht aus älteren Biografien fortgeschrieben werden.

Wie alt ist Panja Jürgens?

Zwei institutionelle Quellen führen 1939 als Geburtsjahr: das Künstlerverzeichnis der ADAGP und der Bibliothekskatalog der University of Wisconsin–Madison. GALA bezeichnete sie im November 2024 als 84 Jahre alt, was mit einem späten Geburtstag im Jahr 1939 vereinbar wäre. Ein konkreter Geburtstag ist in den hier verwendeten Primär- und Institutionenquellen jedoch nicht angegeben. Deshalb ist eine taggenaue Altersangabe für 2026 nicht sinnvoll.

Was man über Panja Jürgens festhalten kann

Panja Jürgens beziehungsweise Erika „Panja“ Meier ist nicht nur eine Person aus der Familiengeschichte eines berühmten Sängers. Ihre fotografische Arbeit ist durch mehrere Publikationen und Bibliothekskataloge dokumentiert. Besonders ihre Porträts rund um Crossdressing und Identität sowie das New Yorker Friedensprojekt „Wings of Peace“ zeigen einen eigenen künstlerischen Schwerpunkt.

Ihre Verbindung zu Udo Jürgens bleibt biografisch zentral: Sie heirateten 1963, bekamen die Kinder John und Jenny und ließen sich 1989 scheiden. Der Auftritt Panja Meiers in „UDO!“ im Jahr 2024 brachte ihre eigene Erinnerung an diese Jahrzehnte noch einmal in eine große öffentlich-rechtliche Dokumentation ein.

Quellen

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